TSV Landsberg Beim abstiegsgefährdeten Bayernligisten können nur die Spieler abschalten. Coach Guido Kandziora bereitet sich derweil auf die entscheidenden Partien im Frühjahr vor. Dabei arbeitet er mit neuen Methoden

Landsberg Die Bilanz von Guido Kandziora kann sich sehen lassen: Sieben Spiele hat er als Trainer des Bayernligisten TSV Landsberg absolviert – unterm Strich stehen zwei Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. „Die Niederlage gegen Traunstein wurmt mich, da wäre mehr rauszuholen gewesen“, kommentiert er die Ergebnisse – umso wichtiger sei aber der Sieg zum Abschluss in Vilzing gewesen. „Jetzt beginnt die ruhige Zeit und man kann mit einem positiven Gefühl im Frühjahr wieder starten.“

Bild: Während die Spieler noch etwas die Winterpause genießen dürfen, bereitet sich Landsbergs Trainer Guido Kandziora (links, zusammen mit seinem Co-Trainer Hermann Rietzler) schon akribisch auf die noch anstehenden Spiele vor. Archivfoto: Julian Leitenstorfer

Wer allerdings von den bekannten Gesichtern diesen Neustart im neuen Jahr mitmachen wird, dazu will sich der Trainer nicht äußern. Feststehe aber, dass es Änderungen im Kader geben werde. „Wir sind mit einigen Spielern im Gespräch“, sagt Kandziora – wir, das sind er und Arek Wochnik, der ihn dabei unterstützt. Klar ist damit auch, dass Spieler die Mannschaft verlassen werden, wenn neue kommen, denn den Kader zu verbreitern, sei nicht das Ziel. Und den ersten „Wechsel“ hat es ja bereits gegeben: Wie berichtet, kehrt Andreas „Charly“ Fülla zum TSV Landsberg zurück, Paul Auerbach hat dagegen nicht den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und den Verein verlassen.

Während bei den Spieler nun abgesehen von ihrem individuellen Programm Regeneration ansteht, geht für den Trainer die Arbeit weiter. Er hat nun Zeit, nicht nur sportlich Bilanz zu ziehen, sondern auch seine Erfahrungen einzuordnen. „Wenn man sieht, wie viele Zuschauer da waren, obwohl wir unten drin stehen, kann man erahnen, was in Landsberg möglich wäre“, sagt Kandziora.

Von den Bedingungen, die er im 3C-Sportpark vorfindet, ist er sehr angetan. Trotzdem gebe es noch die eine oder andere Stellschraube, an der gedreht werden könne, um den „Wohlfühlfaktor“, auch für die Spieler, noch zu vergrößern. Kandziora hatte vor seiner Zeit in Landsberg bei einem Fußballclub in Namibia professionellere Strukturen erarbeitet, er ist also nicht nur Fachmann auf dem Rasen.

Und doch liegt da natürlich sein Hauptaugenmerk. Mit neuen Trainingsmethoden hat er seine Spieler überrascht, und „nach dem ersten Training hatten sie Muskelkater“, sagt er mit einem Schmunzeln.

Kandziora gibt 100 Prozent als Trainer – und verlangt diese 100 Prozent auch von seinen Spielern. „Ich hasse es, wenn jemand eine zu lasche Einstellung hat. Auch beim Training, denn so wie ich trainiere, so spiele ich auch.“ Deshalb reiche es auch nicht, am Abend einfach zum Training zu erscheinen. „Die Spieler müssen sich entsprechend ernähren und genug trinken. Ich sage immer: Ihr seid Sportwagen und ein Sportwagen tankt auch nicht Diesel, sondern Super.“

Damit das Training aber auch zielgerichtet ist, hat Kandziora neue Methoden eingeführt: Im Spiel gegen Holzkirchen stattete er seine Spieler mit GPS-Sendern aus – praktisch alle Daten konnten so ermittelt werden: Wie viele Kilometer jeder Einzelne in der ersten und dann auch in der zweiten Halbzeit gelaufen ist, seine Höchstgeschwindigkeit, wie viel er gegen den Ball gearbeitet hat – Kandziora legt eine dicke Mappe mit Unterlagen auf den Tisch und zeigt Beispiele.

Möglich wurde diese Messung durch seine Kontakte zum Bundesligisten TSG Hoffenheim – mit einem Sportwissenschaftler arbeitete Kandziora bei der Auswertung zusammen. „Die Spieler waren sehr wissbegierig“, sagt er zu der Präsentation der Daten.

Und teilweise wohl auch überrascht – wer hätte vermutet, dass Torhüter Philipp Beigl in diesem Spiel mehr als vier Kilometer gelaufen war? „Und die Spieler, die auf der Bank saßen, wollen beim nächsten Mal unbedingt auch ihre Daten“, sagt Kandziora.

Denn es soll nicht bei dieser einen Analyse bleiben: Um effektiv mit den Daten arbeiten zu können und auch die Schwächen der einzelnen herauszufiltern, um daran arbeiten zu können, werden die Landsberger Kicker wohl noch zwei, drei Mal mit diesen GPS-Geräten ausgestattet werden. Öfter wird nicht möglich sein, denn „das ist natürlich auch eine Kostenfrage und man muss die Geräte auch bekommen“, so Kandziora. Aber dank der ermittelten Daten lasse sich eine Menge analysieren.

Für Kandziora, seinen Co-Trainer Hermann Rietzler und Torwart-Trainer Wolfgang Sanktjohanser steht also noch einiges an Arbeit an. „Aber es macht enorm viel Spaß mit ihnen zu arbeiten“, so der Chefcoach. Er könne sich auf seine Assistenten ebenso verlassen wie auch sportlichen Leiter Arek Wochnik.

Und so ist er auch zuversichtlich, das große Ziel, den Klassenerhalt ohne Relegation zu erreichen. „Es sind noch genug Spiele im neuen Jahr.“ Genug, um noch die nötigen Punkte zu holen.

Dieser Artikel wurde vom Landsberger Tagblatt zur Verfügung gestellt:
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